1. Ü50- KABINENGEFLÜSTER XXXX von Gottfried Weise

18. Juni 2017

Gottfried WeiseDer Patron, der Boxer und der Regenbogen

Wie in einem spannenden italienischen Krimi, so traf der Patron  nach weltumspannender Abenteuerreise rechtzeitig zum Familientreffen ein; nach dem Motto: Niemand ist wichtiger als die (Fortuna-) Familie. Wenn das einer anders sieht, dann erhöht der Patron Dr. Gerhard Schreiber schon einmal die Stimme und fragt provokativ: „Was tust du für den Verein?“

Klar, der Präsi muss das Ganze der Fortuna im Focus haben – das Landesliga-Team ebenso wie seine einstige „Eliteeinheit“, die Vierziger vom Kleinfeld. Andererseits tauchte Gerdchen, wie ihn langjährige Vertraute rufen, schnell wieder ins aktive  Leben an der Seitenlinie ein und monierte: „Da laufen zwei, aber zwei bleiben stehen.“ Mit dieser temperamentvollen Art an der Seitenlinie und der eingeforderten Disziplin legte Gerd Schreiber als Coach das Fundament für den folgende Berliner Meistertitel und zwei Pokalsiegen, die dann seine Meisterschüler Jürgen Hinz und Micha Schuth einheimsten.

Diesmal hing der Himmel alles andere als voller Geigen. Ein Großteil der Meisterhelden von einst, inzwischen Ü50-Kicker, erzitterte den Verbleib in der Verbandsliga gerade Mal einen Tag zuvor. Den Jungs aus Neukölln von Gropiusstadt sei Dank! Mit dem 4:1-Erfolg gegen Fortunas Rivalen Nordberliner SC entging das Team von Peter Wichmann nur ganz knapp dem Absturz. Dabei waren sich alle so ziemlich einig, dass die „Schlacht aller Schlachten“ mit dem 3:1 beim Nordberliner SC geschlagen wurde. Ein 6-Punkte-Spiel mit unfassbarer Dramatik. Zehn Minuten vor Ultimo gingen dem ansonsten ausgebufften Taktiker Heiko Schickgram, – die Kulisse von 50 000 im Olympiastadion gewohnt -, die Nerven durch: Gelb/Rot! In Unterzahl erhöhte dann die Fortuna noch von 2:1 auf 3:1.Sensationell!!! Schicki: „Da perlte zehn Minuten der Schweiß auf meiner Stirn. Puah.“ 

Am Freitagabend konnte Fortuna stressfrei gegen die spielstarken Gäste aus Weißensee, die diesmal ohne ihre Altstars Hackbusch und Hirsch antraten, in das letzte Saisonspiel gehen. Finki Fink und Sveni Küchler hatten gleich zwei tolle Offensivszenen. Doch insgesamt sah Ex-Meistertrainer Jürgen Hinz ( zur neuen Saison wieder der neue Coach?) die erste Phase kritisch: „Es mangelte am flüssigen Kombinationsspiel. Die Trainingsausfälle machen sich bemerkbar.“ Heiko Schickgram: „Es fehlten die zwei bis drei Prozent an Körperspannung. Jeder wusste schon vorher, dass der Klassenerhalt im Kasten ist.“ Uwe Rutenberg, Trainer, Talentvater, Strippenzieher, machte Mut: „Unsere Chancen kommen noch.“ 

Es dauerte allerdings eine knappe halbe Stunde, bis sich die beiden Offensivspieler Andre Weise (feines Zuspiel) und Torsten Schrumpf  (toll veredelt) zu einem sehenswerten Duett fanden: 1:0 nach 28 Minuten. Torsten kam gleich an die Seitenlinie und verriet: „ Ich habe heute meine Mutter Ingrid und meine Freundin Annett mitgebracht. Das mache ich am Saisonende immer so. Zwei Glücksbringer.“ Für Torsten musst du im Notizblock immer eine Spalte offenhalten. Die ersten Sätze diktiert er liebend gern selbst. Als Andrè in der 38. Minute cool zum 2:0 erhöhte, meinte Torsten: „ Andrè eigentlich können wir jetzt schon feiern gehen. Wir haben unser Soll erfüllt.“

Daran dachte zu diesem Zeitpunkt der Boxer im Team, Karsten Röwer noch lange nicht. Er wollte seinen Wirkungstreffer – und landete ihn, in klassischer Angreifer-Manier. Schon vor seinem  3:0 in der 45. Minute schrammte der renommierte Schweriner Box-Profi-Trainer an einem Treffer vorbei. Bemerkenswert: Karsten traf in den letzten drei Spielen fünfmal. Mit insgesamt 7 Toren liegt er nur ein Tor hinter Peter Wichmann, der sich mit 8 Treffern die „Torjägerkanone“ schnappte. Gut auszumalen, dass der konditionsstarke Karsten bei mehreren Einsätzen ein echter Anwärter auf den „Torschützenkönig“ gewesen wäre. Mit weit weniger war „Quoten-Wessi“ Jürgen Klawe zufrieden, dem laut offizieller Statistik sein erstes Saisontor glückte. Vater Klawe, schon einige Male am Grabensprung kritischer Beobachter, wird`s freudig registriert haben.

Ganz stark im Fortuna-Tor: Torsten Vonhoff. Er wuchs im Prenzlauer Berg auf. Sein Opa Siggi hatte Vonny zum Fußball gebracht, 1974 zum Verein Tiefbau Berlin. Super seine Reflexe auf der Linie. Er schmunzelte: „ Ich war 33 Jahre Dachdecker. In diesem harten Job habe ich gelernt, Ziegel und Steine richtig zu packen.“ Inzwischen spielt der untersetzte Keeper mit den Superreflexen auf der Linie seit zehn Jahren für Biesdorf. Wie sieht er die Konkurrenz ? „Hockie Hallmann und ich, wir betrachten uns nicht als Kontrahenten. Aus diesem Alter sind wir raus. Wir beide akzeptieren jedoch Henry Rembach als absolute Nummer 1.“ Da Stammkeeper Henry in der Schlussphase der Meisterschaft verletzungsbedingt ausfiel, waren vor allem die Fähigkeiten von Vonny gefragt. Kurz vor Schluss, beim Stand von 4:1, entlud sich der ganze Druck. Der Fortuna-Keeper schnappte sich die Kugel und drosch sie über alle Zäune in die Umlaufbahn vom Osten Berlins.“ „Ich dachte nur, weg das Ding. Aus und vorbei.“ Alle anderen kitzligen Situationen vor Vonnys Tor „entschärften“ im Dreierverbund Jockel Rieck, Thomas Radatz und Müllex. Und so begann Fortuna unter Leitung des 80(!)jährigen Lichtenbergers Klaus Strehlow: Vonhoff; Rieck, Radatz, Müllex, Fink, Röwer, Küchler. Weiter im Einsatz: Klawe, Hallmann, Weise, Schrumpf, Wichmann. 

Stark wie lange nicht in dieser Saison vertreten – die weibliche Riege: Petra Schreiber, Sabine Rieck, Martina Hinz, Andrea Weise, Kathrin Wichmann, Birgit Müller- Krause, Elke Röwer, Torstens Frauen, Mutter Ingrid sowie Freundin Annett und Schuthis Freundin Heide. In der Fortuna-Feuer-Bar von „Andi & Waldi“ waren die Frauen beim Feiern kurz Vorreiter. Viele von ihnen werden mit ihren Kickern Ende Juni/Anfang Juli wieder auf  traditionelle „Klassenfahrt“ gehen. Diesmal trifft sich die Großfamilie in der Schorfheide bei Berlin. Mit dabei natürlich der Patron Gerd Schreiber– vielleicht wieder unter einem faszinierenden Regenbogen wie Freitagabend…