1. Ü50 vs. Hertha BSC I und II, 45 Kabinengeflüster von Gottfried Weise

1. Dezember 2017

Gottfried WeiseKabinengeflüster

Keeper Hans Joachim Fink:

„Unfassbar, Hertha schießt viermal auf unser Tor…“

 

Der Dezember ist der Monat der Geschenke. Für die Fortuna besteht noch eine Chance, seinen Anhängern im alten Jahr ein Präsent zu bescheren. Am 8. Dezember treffen die Schützlinge von Jürgen Hinz am Grabensprung auf die starke Truppe von Lichtenrade. Es wäre zu schön, mit einem Dreierpaket in die Winterpause zu gehen.

In den letzten beiden Spielen trafen die Biesdorfer innerhalb von fünf Tagen auf die 1. und 2. Mannschaft von Hertha BSC. Da spielte logischerweise – wie bei der gesamten Konkurrenz – ordentlich viel Groll mit. Der permanente Wechsel des Personals zwischen den zwei Teams wird zu Recht als absolute Wettbewerbsverzerrung betrachtet. Erfreulicherweise wurde jetzt beim Verbandstag, wie in der Fußball-Woche  kommuniziert, der Antrag von Blau-Weiß 90 angenommen, nach dem ab der Saison 2018/19 der ständige Tausch zwischen beiden Mannschaften nicht mehr erlaubt sei. Jeder Spieler muss sich vor dem Saisonstart entscheiden, in welcher Mannschaftsgruppe er spielen möchte. Diese Regelung trifft nur auf die Verbandsliga zu. Damit brauchte Fortuna nicht mehr Herthas Mogelpackung „schlucken“ – wie noch in dieser Saison.

Teil 1 der Doppelveranstaltung ging am vergangenen Freitag über die Bühne – bei Fortuna gegen Hertha BSC II. Da spritzten von Anbeginn die Funken. Auch die Verbalattacken hatten es in sich: „ Shut up…“. Trotzdem ließ sich Fortuna in der knappen ersten halben Stunde von der gallig-giftigen Atmosphäre nicht sonderlich beeinträchtigen. Finki Fink hielt die Grün-weißen bei den wenigen Gegenangriffen der Herthaner mit zwei starken Reaktionen auf Kurs. Jockel Rieck imponierte mit einem tollen Solo über das halbe Feld, nur beim Abschluss mit der Pieke fehlte die letzte Konzentration. „Man spürt`s halt, in solche Situationen komme ich zu selten“, warb der angriffslustige Defensivmann um Verständnis. „Mit der Pieke ist ab jetzt nur noch Schicki erlaubt“, machte Uwe Rutenberg, Gründervater der Fortunen-Ü50, eine klare Ansage. Schließlich gelang noch die verdiente Führung in der ersten Hälfte: Feine Vorarbeit von Schicki Schickgram, souveräne Veredlung von Jürgen Klawe – 1:0.“ Jetzt Beton!“, ordnete der verletzte Peter Wichmann lautstark an, in einer Mischung aus trockenem mecklenburgischen Humor und böser Vorhersehung. Denn fast im Gegenzug glich Hertha durch Frank Dahlke noch zum 1:1 aus. „Wir verhalten uns eben nicht professionell genug“, umriss Schicki die Situation vor dem Pausenpfiff und analysierte zu Recht den weiteren Verlauf: „Zwei Tore nach zwei Diagonalbällen darfst du dir einfach nicht einfangen“. Als Fortuna die Zeit davonlief, Hertha 2:1 führte, die eingewechselten Andrè Weise und Torsten Schrumpf  trotz guter Szenen (Torsten mit Supersolo, aber ohne Fortune im Abschluss) nicht die erhofften Tore machten, entschied sich Coach Jürgen Hinz zum finalen „Alles oder nichts“. Das Risiko wurde leider nicht belohnt. Als Matchwinner des Abends ging Yüksel Aydin mit einem Dreierpack hervor. Doch alle jene, die ohne Scheuklappen herumliefen, konnten beobachten: Fortuna war trotz der 1:4-Niederlage keinesfalls drei Tore schlechter. Allgemeiner Kabinentenor: „Hertha war halt nur cleverer.“

Fortuna gegen Herta BSC Teil 2 am Dienstag. Die spannende Frage: Wer aus der zweiten Mannschaft von Hertha würde beim Spitzenreiter Hertha BSC I auftauchen? Erwartungsgemäß Kapitän Thilo Schulz, darüber hinaus hatte Coach Jürgen Marquardt noch Erhan Sahin und Klaus Stephan auf dem Zettel.

Es gab schon Spieltage, an denen mehr Aktive aus dem Kader der zweiten Mannschaft die Erste von Hertha I  verstärkten. Dadurch entwickelte  sich ein zunehmender Groll gegen die Blau-Weißen. Selbst der gemeinhin besonnene Biesdorfer Coach Jürgen Hinz gab die Order aus: „Beim Spitzenreiter Hertha werden wir noch galliger spielen.“ Der Fortuna-Trainer setzte auf Kontinuität und begann mit Finki Fink im Tor, Franki Krüger, Jockel Rieck ( 1Tor), Uli Berger (5) und Hocki Hallmann in der Viererkette, Jürgen Klawe (3) als „Libero“ im Mittelfeld und Sveni Küchler als Zentrumsstürmer. Einzig der torgefährliche  Schicki Schickgram (4) musste ersetzt werden. Leistenprobleme verhinderten seinen Einsatz. Seine individuelle Klasse ( Dribblings, Ballsichern, Pieke) fehlte natürlich. Capitano Jockel Rieck verließ trotzdem nicht seine  Frohnatur: „Jungs, denkt dran, wir wollen heute Abend auch ein wenig Spaß haben.“

Spaßfußball boten dann auch Jürgen Hinz seine Männer: Unaufgeregt zirkulierte der Ball in den eigenen Reihen, Eine Superkombination über Hocki  Hallmann, Sveni Küchler, Jürgen Klawe und Uli Berger hätte die Führung bringen müssen. Doch die Kugel flog über die Querstange. „Ich hatte zuviel Rücklage“, klärte Uli auf, der immerhin schon 5 Treffer auf seinem Konto hat und damit Toptorjäger bei der Fortuna ist. Sveni, Jürgen, Jockel- sie alle kamen noch zu Halbchancen. Fortuna trat beim Spitzenreiter dominant auf. Bis die „schwarze Minute“ vom eingewechselten Andrè  Weise kam: Fehlpass – 1:0, „ Ich wollte mit Uli Doppelpass spielen, da um Jockel herum drei Mann standen. Doch da gibt’s nix zu entschuldigen. Blöd gelaufen, einfach Sch…war nicht mein Tag.“

Sturmpartner Torsten Schrumpf  hatte danach noch eine große Szene: Blitzantritt, Dribbling –leider wird der Torjäger zu weit nach rechts abgetrieben und verfehlt so mit seinem „schwächeren“ Fuß den Kasten. Edelfan Dieter Hahn munterte Torsten mit Schalk im Nacken auf: „Junge, nur noch zwei Tore!“ Für das zweite sorgte die Fortuna allerdings unfreiwillig selbst: Einen Flankenball von rechts fälschte Sveni unhaltbar für Finki ab:2:0. Der Fortuna-Keeper, diesmal sehr focusiert und fehlerlos, schüttelte nur den Kopf: „Unfassbar, Hertha schießt viermal auf unser Tor, zweimal kann ich abwehren, zweimal machen die ein Tor.“

Schon auf der Rückfahrt klingelten die Handys. Müllex Müller traf mit seiner positiven Botschaft den Nerv aller:

„Stark gekämpft und gespielt, leider 0:2 bei Spitzenreiter Hertha BSC.“

Mit so einer positiven Message kann man erst einmal getrost in die Weihnachtsfeier gehen. Auch mit gut verdauter Mogelpackung.