1. Ü50 vs. Lichtenrader BC, 46. Kabinengeflüster von Gottfried Weise

18. Dezember 2017

Gottfried WeiseFortuna ging schnell die Luft aus

Weihnachtsstress, Einkaufsstress, Flugstress – warum denn auch noch Fußballstress unter Männern mit über 50 ? Weil sie ehrgeizig sind, voran ihr Trainer Jürgen Hinz. Endlich weg von einem Abstiegsplatz. Aber den sieht der Coach nach dem 3:5 gegen Lichtenrade in Gefahr. Sein Appell in der Kabine: „Es geht nicht um eine Fehlerdiskussion. Wir müssen in der zweiten Halbserie enger zusammenrücken – alle!“

Dabei waren die Zeichen recht verheißungsvoll. Jörg Müllex griff wieder einmal in seine beneidenswerte Archivkiste und verbreitete rundherum Optimismus: „Erst hatte uns Henry ( Rembach) beim 1:1 im Hinspiel den Arsch gerettet, dann gelang Peter ( Wichmann) das 1:0. Einfach Klasse.“ Nach den zwei Niederlagen gegen das „Hertha-Imperium“ tat Fortuna die Führung gegen Lichtenrade gut. Sveni Küchler bereitete mit einer scharfen und präzisen Eingabe das 1:0 für Andrè (Weise) vor, der mit „Nase“, Entschlossenheit – und wie Spötter meinen, mit seinem „starken“ linken Fuss traf. Erster Saisontreffer in der Liga. Andrè verstand wohl nicht so recht, dass er fast postwendend vom Platz gerufen wurde. Sein frustrierter Kommentar: „Ein 1:0 kann ja vielleicht mal reichen.“

Es reichte wieder einmal nicht: Der Fortuna ging sogar ziemlich schnell die Puste aus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem neuen Spielgerät waren die Kicker aus Lichtenrade offenbar bestens vertraut. In sage und schreibe 3 Minuten drehten die Männer um den cleveren Spielgestalter und Torschützen Peter Kaehlitz  mit 3 Treffern das Match. Super sein First-Class-Goal zum 4:1 aus der Sicht der Gäste. Da konnte man schon erahnen, weshalb der Mittfünfziger einst neben Thomas Doll, Frank Pastor und Andreas Thom stürmte. Ihn hatte Jockel Rieck fatalerweise zweimal gereizt.

Sowohl beim ersten Mal ließ sich der oberligaerfahrene BFC-Angreifer Kaehlitz, einst Mitspieler von Schicki Schickgram, von Jockel an der Mittellinie nicht tunneln. Beim zweiten Mal hatte Jockels misslungener Versuch bittere Folgen – 0:1. Der Capitano, welcher läuferisch und kämpferisch wieder überzeugte, konnte sich auch nicht so recht erklären, welcher Teufel ihn da geritten hatte. „Das war mein Ding, ganz klar“,  ließ Jockel gar keine Zweifel an seinem Lapsus aufkommen.

Einziger Gewinner in den grün-weißen Trikots – Torjäger Torsten Schrumpf. In seiner kurzen (zu kurzen ?) Einwechselzeit schaffte er es, das Resultat in den letzten Minuten noch zu schönen. Klasse sein Soloritt zum 2:5, raffiniert, mit dem Außenrist, sein 3:5. Eine Art Achim Streich der Fortuna. In einer noch besseren physischen Verfassung ( wobei er diesmal viel mit nach hinten arbeitete) kann keiner an seiner Nominierung vorbei. Und sein knappes Gastspiel zeigte Torsten immerhin gegen einen spielstarken Vierten Lichtenrade.

Ja, muss die Fortuna jetzt schwarzsehen? Keinesfalls. Andrè  rechnete schnell vor: „Zwischen Fortuna und dem 8. Staaken liegen nur zwei Punkte. Da gibt sich noch keiner auf. Es kann blitzschnell anders in der Tabelle aussehen, wenn uns mal eine Serie gelingt. Schon das erste Spiel in der Rückrunde gegen Pankow kann wegweisend sein.“ In der Kabine wich auch schnell der Frust dem verhaltenen Optimismus. Da machten Hockis und Ulis leidenschaftliche Statements ebenso Mut wie Finkis, Jürgens und Schickis taktische Angebote. Ob Vohnis oder Franks Engagement – ich denke, die Fortuna hat den Ernst der Lage erkannt, ist aber immer auch stets für ein Bonmot gut. Wo war denn der „verschwundene“ Ball ? Schicki klärte auf: „ Wir mussten erst einmal ein Ruderboot ankern, bevor wir ihn mit dem Netz einfangen konnten.“