1. Ü50- XXXIX Kabinengeflüster von Gottfried Weise

10. April 2017

Beuteschema in Biesdorf

wie beim Bayern – Spiel

Tröstlich, dass im Großen Vergleichbares passiert wie im Kleinen. Freitagabend: Fortuna führt zwei Minuten vor dem Abpfiff gegen Inter mit 2:1. Freistoss für die Schöneberger Gäste. Fortuna bringt es allenfalls zu einer „Zwei-Mann-Mauer“. Diese Einladung nimmt der Spezialist Jan Tonnät dankend an. Gegen den satten Schuss hat dann Hocki Hallmann im Biesdorfer Tor keine Chance. „Das darf uns einfach nicht passieren“, schimpfte Andre Weise: „Alle wissen wir, wie der Elfer bei Inter solche Gelegenheiten nutzt…“ Ja, und trotzdem!

Sonnabend beim Topduell Bayern gegen Dortmund: Jeder weiß, was Arjen Roben vorhat: Dribbling von rechts, im Turbotempo nach innen gezogen, an zwei Verteidigern vorbei, Schuss mit links –drin, 3:1. Jeder kennt das Beuteschema des Niederländers. „Alleine kannst du das nicht verteidigen“, stöhnte am Ende ein hilfloser Gegenspieler Marcel Schmelzer.

Bei der Fortuna machte zuerst Schicki Schickgram den Robben. Zunächst gab der in dieser Saison torgefährlichste Angreifer (7 Treffer) die Order raus: „Feuern, was das Zeug hält“. Fast wäre ihm auch ziemlich früh die Führung gelungen, doch sein tückischer Kracher fand auf rätselhafte Art wieder aus dem Inter-Kasten heraus. Mehr Glück hatte Peter Wichmann, der nach 8 Minuten mit einem wunderbaren Schuss den Innenpfosten traf:1:0. Fortuna setzte die erhofften Signale auf Angriff. Doch noch in der ersten Hälfte zog der Schlendrian ein. Jürgen Hinz, der Meistermacher vergangener Tage, monierte treffend: „Wir machen im Angriff noch zu viele Fehler.“ Diese bügelte der überragende Keeper Henry Rembach mehrfach aus. „Wir haben in dieser Phase die Bälle zu schnell verloren“, meinte Müllex Müller. Als jedoch in der 48. Minute eine Super-Kombination über den ballsicheren Schicki , den kurz „eingeflogenen“ Schweriner Boxtrainer Karsten Röwer und den „Abstauber“Andre zum 2:0 führte, schien das Match gelaufen. 

Den Hauptanteil an diesem Treffer hatte zweifelsohne Karsten. Der Startrainer, der bis vor kurzem im Sauerland-Boxstall beschäftigt war, nahm für diese Stunde Fortuna-Altherren-Kick eine Autotour von zweimal drei Stunden zwischen Schwerin und Berlin auf sich. „Es macht riesigen Spaß hier mit den Jungs zu kicken“, meinte der universell einsetzbare Mecklenburger: “Mir fehlt aber nach längerer Pause noch Spielpraxis.“

Der Riss im Spiel kam mit einem ganz bitteren Moment.

Henry Rembach, der in dieser Saison überragende Schlussmann, kugelte sich die Schulter aus, musste ins Krankenhaus gebracht werden. Jürgen Hinz kümmerte sich sofort um ihn. Als er die Kabine verließ, nahm er ein vielfaches „Danke, Jürgen“ mit auf den Weg. Ein Zeichen von gelebtem Teamgeist. Gute Besserung, Henry!

Jetzt musste Hocki Hallmann die undankbare Rolle des Ersatzkeepers annehmen. Ganz ungewohnt war ihm diese Position nicht. So stand er auch schon beim 3:1gegen Union im Kasten. Doch gegen Inter fehlte ihm – ohne eine Glanztat zu übersehen – das notwendige Glück. Allerdings: Sowohl das 1:2 als auch das 2:2 (Siehe oben) dem „Langen“ anzukreiden, wäre unfair und ungerecht. Als Option für den Saisonschußspurt bietet sich womöglich auch noch Jürgen Klawe an, der sich im Fortunen-Tor bereits als cooler 9-Meter-Killer hervortat. Es gab auch Gewinner der „englischen Woche“. So trafen Peter, der eine tolle Saison spielt, und Andre bei Union und gegen Inter je dreimal. 

Passende Worte fand in der Kabine Schicki: „ Cool bleiben Jungs. Wir haben bei Union gewonnen und jetzt einen Punkt geholt. Immerhin hat Inter vorige Woche den Tabellenführer Blau-Weiss 2:0 weggebürstet. Wir haben alles noch in der eigenen Hand.“ Mit diesem Kader: Henry Rembach, Müllex Müller, Jürgen Klawe, Hocki Hallmann, Peter Wichmann, Andre Weise, Karsten Röwer, Schicki Schickgram, Jockel Rieck, Finki Fink, Sveni Küchler, Torsten Schrumpf, Uli Berger, Thomas Radatz.

Vor dem nächsten Trip am 28. April bei der Hertha erst einmal fröhliche Ostern!