Ü50 vs. GW Neukölln 3:1, 47. Kabinengeflüster von Gottfried Weise

25. Oktober 2018

Gottfried WeiseAndrè: „ Das Lob von Rute reicht mir“

Es war ein Wochenende der Torjäger : Frankfurts Luka Jovic schoss sich mit seinem Fünf-Tore-Pack beim 7:1 gegen Düsseldorf in die Geschichtsbücher. Gladbachs Jonas Hofmann explodierte beim 4:0 gegen Mainz mit einem Dreierpack. Robert Lewandowski sicherte den Bayern mit zwei Treffern beim 3:1 in Wolfsburg ebenso den Dreier wie der junge Doppeltorschütze Maximilian Eggestein Werder das 2:0 auf Schalke.

Fortunas eigentlicher Torjäger Torsten Schrumpf konnte seinen Coach Jürgen Hinz bisher noch nicht restlos überzeugen und fehlte so in der Startformation. Sicher bitter für einen geborenen Toptorjäger. Doch der Trainer entschied sich für die „spanische“ Variante: relativ klein, beweglich, so nur schwer zu verteidigen. Andrè Weise zeigte an diesem Abend – natürlich drei Stufen tiefer als Dortmunds Paco Alcacar – dass auch ein Stürmer ohne physische Wucht dem Gegner richtig wehtun kann.

Das gelang ihm schon beim Auftakttor gegen die Neuköllner, als Jürgen Klawe seine feine Flanke  mit einem Klassekopfball zum 1:0 veredelte. „So`n Tor gelang mir noch nie“, jubelte Jürgen verhalten über sein zweites Saisontor. „Der stand ja förmlich in der Luft“, geriet Andrè ins Schwärmen, der Neuköllns Defensive mit seinem lauffreudigen Spiel weiter massive Probleme bereitete.

Super das 2:1 durch Uli Berger, der in der laufenden Meisterschaft zum dritten Mal traf. Andrè, der an zwei Treffern unmittelbar beteiligt war, meinte schelmisch:„Zwei Tore vorbereitet und beim Gegentreffer nicht auf dem Platz. Was willst du eigentlich mehr“. Coach Jürgen Hinz, einst erstklassiger Defensivmann, heute ambitionierter Trainer, haute mir leicht auf die Schulter: „ Hey, diesmal kannst du etwas über Andrè schreiben. Der Junge war heute echt gut drauf.“ Als auch Fortunas Gallionsfigur Uwe Rutenberg ein seltenes Lob in der Kabine verteilte, sprudelte es aus André heraus: „Ein Lob von Rute reicht mir“. Ansonsten habe er ein „gutes Spiel gemacht“. Das sei „ganz okay“ gewesen, aber auch nicht mehr. „Habe diesmal mehr Freiräume gehabt und keinen Manndecker.“ Man sollte darüber hinaus aber nicht das Supersolo von Jockel“ vergessen, das zum 3:1 führte. „ Tolles Dribbling übers Halbfeld. Besser hätte es ein Stürmer nicht machen können.“

Das hatte sich vermutlich auch„El Presidente“, Dr. Gerhard Schreiber, gedacht, der einst nicht nur den Capitano in die Nähe der Berliner Meisterschaft führte. Jockel  Rieck wie Jürgen Hinz gehörten ebenso dazu wie Peter Wichmann oder Micha Schuth, wie Schicki Schickgram oder Andrè Weise, wie Müllex Müller oder Uli Berger sowie Sveni Küchler und natürlich Torsten Schrumpf. Alle begegnen noch heute dem Vereinsboss von Fortuna mit Respekt. Ausgerechnet der Kleinste fiel aus der Reihe und riss Gerhard Schreiber (mit Fremdeinwirkung) zu Boden. „Schuld“ daran war die raubeinige Attacke eines Neuköllners, der Andrè mit einem Bodycheck auf die Seitenauslinie rammte. Andrè flog genau auf Gerdchen zu und beide landeten (glücklicherweise) ohne ernsthafte Blessuren auf dem Asphalt.

Es war also kein Selbstläufer. Schicki hielt als zentraler Mann ( wie einst Micha Schuth) mit seinem taktischen Gespür das Team auch in wckligen Zwischenphasen zusammen. Sein kritischer Ansatz: „Wir müssen mehr Ruhe beim Abschluss bewahren.“ Jockel hatte flink das Tabellenbild eingeordnet: „ 10 Punkte. Drei Heimsiege. Wir sind im Soll.“ Chefcoach Jürgen Hinz allerdings war nicht happy und meinte: „Nur einmal konnte ich zufrieden sein, mit einer Halbzeit beim 1:5 gegen die Hertha in Zehlendorf.“

Und was ist mit Fortunas Toptorjäger vergangener Jahre? Torsten kam ins Spiel– und legte in eine Aktion all seine Qualitäten als Knipser rein: Balleroberung, Zweikampfsieger, tolles Dribbling, wuchtiger Abschluss – aber leider nur die Querstange. Muss so ein Vollblutstürmer nicht auch einfach mal losgelassen werden, ohne taktische Fesseln um den Hals? Torsten meint: „Im Vorjahr konnte ich nicht immer von Anfang spielen. Das akzeptiere ich. Aber jetzt bin ich fit, bewege mich weit mehr, arbeite häufiger nach hinten. Außerdem trainiere ich am Dienstag ein zweites Mal.“  Die Entscheidung muss letztlich der Coach treffen. Beim 3:1 gegen Neukölln lag Jürgen Hinz mit seiner Startformation total richtig. Torsten fehlte bisher ein entscheidendes Argument – Tore. Mit Geduld und Glück sollten auch

diese noch kommen…

Vor der eigenen Kiste ließ Finki Hans-Joachim nicht viel zu. Mit einer spektakulären Parade lockte er sogar den Beifall der weiblichen Riege hervor, die u.a. mit Petra, Sabine, Martina, Birgit, Haide und Karin stark vertreten war. Mit einer spendablen Bierrunde zum 65. machte sich Finki noch beliebter. Wer weiß schon, dass dieser drahtige Mittsechziger an einem Tag zwei komplette Spiele im Tor und auf dem Kunstrasen bestritt.

Chapeau, Finki!

  1. Sollte Müllex, fit und sprintstark wie selten, bei den folgenden Spielen ein paar Minuten zu spät kommen, dann hat das einen triftigen Grund: Youtube füttert die Fans momentan mit Perlen des DDR-Fußballs. Das lässt sich Müllex als ausgewiesener Lexikalist des ostdeutschen Fußballs mit seinen beliebten „Panoramen“ natürlich nicht entgehen. Grinsend kam er auf mich zu: „Da habt ihr ja sogar Micha Schuths Cousin Gerd Schuth von Vorwärts Frankfurt ausgegraben…“
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